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Papiergeld überlebt nicht

Bill Gates

„Die Zukunft gehört den Cryptocoins“

Helikoptergeld, Bargeldbeschränkungen und Negativzinsen: „Wir leben in einem Experiment, das es in den vergangenen 3000 Jahren nicht gegeben hat“, sagt Finanzexperte und Autor Markus Miller. Sparer und Verbraucher bräuchten mehr Sicherheit. Und die gibt es.

n-tv.de: Digitalwährungen sind auf dem Vormarsch. 179 offiziell anerkannte Papierwährungen stehen über 800 virtuellen Währungen gegenüber. Woher rührt dieser Hype?

Markus Miller: Wer die Kaufkraft seines Geldes sichern wollte, brauchte früher nur seinen 100-D-Mark-Schein ins Schließfach legen. Heute funktioniert das nicht mehr. Schuld sind die hohen Staatsverschuldungen sowie die Anleihenkäufe und Geldmengenausweitungen der Notenbanken. Die Menschen haben einfach das Vertrauen in den Wert des Geldes verloren. Sie suchen nach Alternativen, der Exodus geht in Gold, Silber, Diamanten, Immobilien – und in Cryptocoins.

Und warum sind Kryptowährungen sicherer als Bargeld?

Im Gegensatz zu Papiergeld basieren Kryptowährungen nicht auf Schulden. Das wachsende Vertrauen basiert auf der dahinterstehenden Technologie, der sogenannten Blockchain. Das ist ein dezentrales System. Es reguliert sich selbst durch die jeweiligen Transaktionen von Angebot und Nachfrage in dieser Blockkette, die völlig transparent und einsehbar ist. Diese Technologie wird zukünftig unser gesamtes Leben in vielen Bereichen revolutionieren – nicht nur unser Geldsystem. Wahrscheinlich wird unser Geldwesen in Zukunft vollkommen digitalisiert sein. Deshalb ist es wichtig, eine ganz hohe Sicherheitsstufe zu implementieren. Blockchain erfüllt diese Voraussetzung.

Sie rechnen offenbar nicht mit großem Widerstand.

Das Vertrauen in diese Währungen und die Anwendungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen wachsen. Sogar die Bundesbank und die Deutsche Börse forschen intensiv an dieser Blockkettentechnologie, um sie in Zukunft als Kassen- oder Orderbuch für Wertpapiergeschäfte zu nutzen. Auch Staaten sind an einer neuen Währung auf Basis kryptografischer Schlüssel – also mathematischer Verschlüsselungsmodelle – interessiert. Norwegen forscht an der EKrone. Japan hat den Bitcoin als offizielle Währung anerkannt.

Aber man weiß nicht einmal, wer hinter diesen kryptischen Geschichten steckt. Vater oder Mutter des Bitcoin ist angeblich Satoshi Nakamoto. Ist das eine Einzelperson oder eine Programmierergruppe? Da lauern doch neue Gefahren.

Ja richtig. Aber der Ursprung ist gar nicht mehr wichtig. Wer auch immer den Bitcoin erfunden hat, hat kaum mehr Einfluss auf das System. Das System hat sich dezentral entwickelt und dabei ganz unabhängig in der ganzen Welt etabliert.

 

BTC/USD SPOT RATE 14.07.2017
BTC/USD SPOT RATE 14.07.2017

Der Bitcoin hält Kurs auf umgerechnet 3000 Euro. Ist das noch gesund?

Das ist eine unglaubliche Entwicklung, die grundsätzlich sogar begrüßenswert ist. Je höher die Marktkapitalisierung, desto höher die Verbreitung und Akzeptanz. Splitten ist kein Thema, weil es wie beim Euro Unteranteile gibt. Die kleinste Einheit beim Bitcoin heißt Satoshi, benannt nach der Gründergruppe. Selbst wenn ein Bitcoin 20.000 Euro wert ist, ist das kein Problem, weil Sie auch etwas mit 0,00000001 Bitcoin bezahlen können.

Wie darf man sich diese neue schöne Geldwelt vorstellen? Haben wir dann nur noch kryptisches Geld in der Tasche? Oder ein reales und ein virtuelles Portemonnaie?

Ich glaube, dass unser Geldwesen der Zukunft grundsätzlich auf kryptographischen Verschlüsselungssystemen basieren wird. Die Banken der Zukunft heißen dabei Amazon, Apple oder Alphabet (Google). Dass es daneben noch Parallelwährungen in kleineren Mengen geben wird, kann ich mir auch vorstellen. Wir haben Angst vor diesen technologischen Dingen, die in unser tägliches Leben Einzug halten, weil wir uns nicht richtig damit befassen. Aber jetzt kommen Bargeldbegrenzungen und -verbote. Der 500-Euro-Schein wird beispielsweise abgeschafft. Barzahlungsobergrenzen sinken immer weiter. Die Menschen werden damit automatisch gezwungen, sich mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen.

Sie haben ein Buch mit dem Titel „Die Welt vor dem Geldinfarkt. Wie Sie sich mit finanzieller Selbstverteidigung Ihr eigenes Fort Knox schaffen“ geschrieben. Warum so dramatisch?

Unser Geldsystem ist seit den 80er Jahren aus dem Ruder gelaufen. Es sind jede Menge neuer Finanzprodukte entstanden: Derivate, Optionen, Futures, Zertifikate und weitere rein virtuelle Finanzvehikel. Sie entsprechen nicht mehr dem realwirtschaftlichen Zweck, sondern dienen rein der Finanzmarktspekulation. Die Welt ist heute mit 225 Billionen US-Dollar verschuldet. Geld basiert auf einer Wertschöpfung durch Kreditvergaben. Je höher die Schulden, desto weniger wert ist das Papiergeld. Die Wertaufbewahrungsfunktion ist einfach nicht mehr vorhanden. Die Kaufkraft wird immer weiter abnehmen. Wir leben in einem Experiment, das es in den vergangenen 3000 Jahren noch nie gab: Negativzinsen. Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Ein Mathematiker hat 600 Papiergeldsysteme der vergangenen 1000 Jahre analysiert. Davon hat kein einziges überlebt.
Deswegen: Vertrauen Sie nicht auf Regierungen und Staaten, sondern schaffen Sie sich Ihr eigenes, gedecktes Geldsystem. Das ist möglich, Sie entscheiden dabei über die Deckungsart, von Goldcoins bis Cryptocoins.

 

Quelle: www.n-tv.de, von Diana Dittmer im Gespräch mit Markus Miller (ehemaliger Privatbankier, Finanzanalyst, Gründer des Medien- und Beratungsunternehmens Geopolitical Biz und Buchautor), 10. Juni 2017, gekürzt

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